
Ohne Pilze wäre das Leben auf der Erde, wie wir es kennen, nicht möglich. Sie übernehmen in den weltweiten Ökosystemen vielseitige, wichtige Rollen, z.B. das Abbauen toter organischer Materie. Ohne Pilze würden sich Biomasse und Abfälle anhäufen, und wichtige Stoffkreisläufe würden zusammenbrechen. Das Abbauen der Materie gelingt den Pilzen durch ihr Pilzmyzel, welches ein Geflecht aus feinen Fäden ist, das wie ein unsichtbares Wurzelnetz durch den Boden oder durch z.B. Totholz wächst. Dieses Myzel produziert Enzyme, welche z.B. das Holz in kleine Bausteine (Zucker, Aminosäuren, Mineralstoffe) zerlegen. Von diesen Bausteinen ernährt sich der Pilz und wächst. Gleichzeitig werden gelöste Nährstoffe wieder in den Boden zurückgeführt, sodass auch Pflanzen und andere Lebewesen davon profitieren.
Diesen natürlichen Vorgang, kann man sich für eine alternative Herstellung von Produkten zu Nutze machen: indem man das Pilzmyzel auf Agrarabfällen (z.B. Hanfsschäben) wachsen lässt.
Nach dem Wachstumsprozess, durch den das Pilzmyzel wie ein wachsendes Bindemittel die einzelnen Bestandteile zusammenhält, entstehen formstabile, leichte und kompostierbare Materialien mit hohem gestalterischem wie auch ökologischem Potenzial. Nach dem Gebrauch sind die Materialien biologisch abbaubar und können als Bodenverbesserer oder Kompost wieder in den biologischen Kreislauf zurückgeführt werden.
Man spricht bei dieser Art von Fabrikation von einem biotechnologischen Herstellungsprozess, da man auf den biologischen Stoffwechsel des Pilzes angewiesen ist (ähnlich wie bei der Herstellung von Bier durch lebende Hefe oder Joghurt durch Milchsäurebakterien). Biotechnologische Prozesse unterscheiden sich stark von klassischen Herstellungsprozessen und erfordern Kenntnisse im Umgang mit lebenden Organismen.